Worauf kommt es zuerst an?
Starten Sie mit den aktuellen Originalunterlagen. Trennen Sie Leistungen und Lose, notieren Sie Fristen mit Uhrzeit und halten Sie jede offene Frage mit Fundstelle fest. Danach entscheiden Sie intern, ob Sie weiter kalkulieren, zunächst Informationen klären oder den Auftrag nicht weiterverfolgen.
Die Prüfliste ist eine eigene organisatorische Arbeitshilfe von MerKalku. Welche Anforderungen für Ihr Angebot gelten, lesen Sie in den konkreten Verfahrensunterlagen. Ein ausgefüllter Haken ersetzt diese Prüfung nicht.
1. Sichern Sie zuerst den Unterlagenstand
Öffnen Sie die Bekanntmachung und die darin angegebene Bezugsstelle für die Vergabeunterlagen. Notieren Sie Verfahrenskennung, Link, Abrufdatum und die Versionen der Dateien, mit denen Sie arbeiten. Legen Sie Preisblatt, Leistungsbeschreibung, Raumbuch und weitere vorhandene Anlagen gemeinsam ab.
Prüfen Sie bei der erneuten Bearbeitung, ob inzwischen Änderungen oder zusätzliche Informationen veröffentlicht wurden. Arbeiten zwei Personen an unterschiedlichen Dateiständen, gehört diese Abweichung zuerst auf die Prüfliste. Ein später gespeicherter Dateiname allein belegt noch keinen neueren fachlichen Inhalt.
Ergebnis dieses Schritts: Alle Beteiligten wissen, welche Unterlagen gerade die Grundlage ihrer Arbeit sind.
2. Trennen Sie Gebäude, Leistungen und Lose
Erstellen Sie eine kurze Übersicht je Gebäude oder Objektbereich: Leistungsort, Flächen, Raumarten, Reinigungsaufgaben, Häufigkeiten und mögliche Ausführungszeiten. Übernehmen Sie diese Angaben aus den jeweiligen Unterlagen. Der Sitz des Auftraggebers ist für Ihre Einsatzplanung kein Ersatz für die Anschrift des Reinigungsobjekts.
Ordnen Sie die Objektbereiche anschließend den bezeichneten Losen zu. Zwei Gebäude bedeuten nicht automatisch zwei Lose. Prüfen Sie gesondert, welche Angaben zur Angebotsabgabe je Los in den Unterlagen stehen. Notieren Sie auch Vertragsbeginn, Laufzeit und beschriebene Optionen, soweit vorhanden.
Gleichen Sie Raumbuch, Leistungsverzeichnis und Preisblatt miteinander ab. Steht eine Leistung nur in einer dieser Dateien oder verwenden die Dateien unterschiedliche Einheiten, bleibt der Punkt zunächst offen. Ergänzen Sie fehlende Flächen oder Häufigkeiten nicht stillschweigend aus Erfahrung.
3. Lesen Sie Termine und Nachweise im Zusammenhang
Übernehmen Sie bei jedem Termin die vollständige Bezeichnung, das Datum, die Uhrzeit und die angegebene Zeitzone. Notieren Sie, ob sich der Termin auf ein Angebot, einen Teilnahmeantrag, eine Rückfrage oder etwas anderes bezieht. Ein Datum ohne diesen Zusammenhang ist für die Angebotsplanung zu wenig.
Suchen Sie in den Originalunterlagen nach den verlangten Nachweisen und den beschriebenen Bedingungen der Einreichung. Erfassen Sie je Punkt: Was wird verlangt? Für welches Los gilt es? Liegt es im Betrieb bereits vor? Wer prüft es bis wann? Ob beispielsweise Referenzen, Erklärungen oder Besichtigungstermine dazugehören, ergibt sich aus dem jeweiligen Verfahren.
Falls sich Angaben widersprechen, dokumentieren Sie beide Fundstellen. Nutzen Sie zur Klärung den im Verfahren vorgesehenen Kommunikationsweg und berücksichtigen Sie die dort genannten Termine. Ändern Sie weder das Preisblatt noch Ihre Annahmen unbemerkt, um den Widerspruch zu überdecken.
4. Prüfen Sie, ob Sie den Auftrag praktisch leisten können
Stellen Sie den beschriebenen Auftrag Ihrer verfügbaren Organisation gegenüber: Sind die Objekte erreichbar? Passen die Ausführungszeiten zu den möglichen Schichten? Haben Sie die erforderlichen Kenntnisse, Geräte und eine tragfähige Vertretungsplanung? Welche Annahmen müssen Sie dafür noch überprüfen?
Eine Gesamtfläche allein reicht für diese Entscheidung nicht aus. Eine Schule mit ungeklärtem Ferienbetrieb und eine Verwaltung mit festem Abendfenster benötigen unterschiedliche Planung. Halten Sie Personal- und Zeitannahmen je Objektbereich fest, statt beide Gebäude sofort zu einer einzigen Stundenposition zusammenzurechnen.
Berücksichtigen Sie auch die Arbeit am Angebot: Wer kann Unterlagen prüfen, offene Fragen bearbeiten, kalkulieren und den fertigen Stand kontrollieren? Legen Sie dafür interne Termine fest. Diese internen Termine ersetzen keine im Verfahren genannte Frist.
Fiktives Beispiel: eine Verwaltung und eine Schule
Der folgende Fall ist vollständig erfunden. Er zeigt die Arbeitsweise der Checkliste und beschreibt weder einen echten Auftrag noch übliche Leistungswerte oder verpflichtende Vertragsbedingungen.
In unserer Übung gehören beide Gebäude zu einem gemeinsam beschriebenen Los. Der Auftraggeber heißt Beispielkommune. Im angenommenen Dokumentenpaket liegen eine Leistungsbeschreibung, ein Raumbuch und ein Preisblatt.
Fiktives Beispiel · keine echten Vergabeunterlagen
Eigene Übung – alle Gebäude, Dokumente und Angaben sind fiktiv
| Punkt | Gebäude A: Verwaltung | Gebäude B: Schule |
|---|---|---|
| Zuordnung | Los 1 | Los 1 |
| Fläche laut Übungs-Raumbuch | 1.200 m² | 800 m² |
| Leistung laut Übungsbeschreibung | Unterhaltsreinigung | Unterhaltsreinigung |
| Häufigkeit | Montag bis Freitag | An Unterrichtstagen; Behandlung der Ferien ist im Beispiel offen |
| Ausführungszeit | 17:00 bis 21:00 Uhr | Ab 16:00 Uhr; Endzeit im Beispiel nicht angegeben |
| Preisblatt | Zeile Verwaltung vorhanden | Zeile Schule vorhanden; keine gesonderte Ferienzeile |
| Nächster Prüfschritt | Kapazität im Abendfenster intern klären | Ferienumfang und Zeitfenster anhand der Unterlagen klären |
Die Flächen ergeben zusammen 2.000 m². Daraus folgt noch kein belastbarer Zeit- oder Jahrespreis. Vor allem bei Gebäude B fehlt für diese Übung eine eindeutig beschriebene Grundlage für den Ferienbetrieb. Beide Gebäude bleiben deshalb in der Arbeitsübersicht getrennt.
5. Arbeiten Sie mit einer Prüfliste, die offene Punkte sichtbar lässt
Tragen Sie zu jedem Prüfpunkt eine Fundstelle und einen konkreten Befund ein. „Gelesen“ ist noch kein Ergebnis. Als Status eignen sich „offen“, „in Klärung“, „geklärt“ und „nicht zutreffend“. Den letzten Status verwenden Sie nur, wenn Sie begründen können, warum der Punkt für Ihren Fall nicht relevant ist.
Die folgende Liste lässt sich für Ihr Verfahren übernehmen und ergänzen. Nicht jeder Punkt muss in jedem Auftrag vorkommen. Lassen Sie eine ungeklärte Zeile sichtbar offen, statt sie vorschnell abzuhaken.
Fiktive Übung · alle Angaben sind erfunden
Zwei ausgefüllte Zeilen aus der fiktiven Übung
Diese zwei Zeilen zeigen die Arbeitsweise. Sie sind getrennt von Ihrer leeren Vorlage und werden dort nicht vorbelegt.
Häufigkeiten: Ferienbetrieb in Gebäude B
- Fiktive Fundstelle
- Übungs-Leistungsbeschreibung, Stand A, Abschnitt 2.2; Übungs-Preisblatt, Stand A, Zeile Schule
- Befund
- Die Beschreibung nennt Reinigung an Unterrichtstagen. Im Preisblatt gibt es eine Position Schule; eine Behandlung der Ferien ist daraus nicht eindeutig erkennbar.
- Status / zuständig
- offen · Angebotsverantwortliche Person
- Nächster Schritt
- Zunächst weitere Anlagen auf eine Ferienregelung prüfen. Bleibt die Frage offen, über den im Verfahren beschriebenen Weg klären und die Antwort mit Fundstelle ergänzen.
- Interner Termin
- Vor Festlegung der Einsatzzahl für die Kalkulation; tatsächliche Verfahrenstermine zusätzlich beachten
- Wann ist die Frage geklärt?
- Erst auf „geklärt“ setzen, wenn eine belastbare Fundstelle oder dokumentierte Antwort den Leistungsumfang für diese Übung erklärt.
Eigene Kapazität für Gebäude A
- Fiktive Fundstelle
- Übungs-Leistungsbeschreibung, Stand A, Abschnitt 2.1; eigene Kapazitätsnotiz für die Übung
- Befund
- Das Reinigungsfenster ist mit 17:00 bis 21:00 Uhr beschrieben. Die interne Besetzung und Vertretung für dieses Fenster sind noch nicht bestätigt.
- Status / zuständig
- in Klärung · Objektleitung und Disposition
- Nächster Schritt
- Besetzung und Vertretung intern abstimmen. Benötigten Zeitbedarf anschließend mit den objektbezogenen Annahmen vergleichen; Ergebnis in der Kapazitätsnotiz festhalten.
- Interner Termin
- Vor der internen Entscheidung zur weiteren Angebotsbearbeitung
- Wann ist die Frage geklärt?
- Eine allgemeine Zusage „Personal vorhanden“ genügt für diese Arbeitsentscheidung noch nicht; Bestätigung auf das konkrete Zeitfenster beziehen.
Ohne Account. Ihre Einträge bleiben im geöffneten Tab und werden von dieser Checkliste nicht an einen Server gesendet. Beim Neuladen gehen sie verloren. Die Druckansicht enthält Ihre Vorlage und die zwei fiktiven Beispielzeilen; dort können Sie auch „Als PDF speichern“ wählen.
01Aktueller Unterlagenstand und Änderungenoffen
Welche Dateien und Versionen bilden unsere Arbeitsgrundlage?
02Verfahren und Loszuordnungoffen
Welche Leistungen gehören zu welchem Los? Was steht zur Angebotsabgabe je Los?
03Leistungsorte und Zugängeoffen
Wo liegen die Reinigungsobjekte und welche Zugangsbedingungen sind beschrieben?
04Flächen, Räume und Leistungenoffen
Passen Mengen und Leistungsbeschreibungen zwischen den Unterlagen zusammen?
05Häufigkeiten und Ausführungszeitenoffen
Welche Einsätze und Zeitfenster sind beschrieben? Wo fehlen Angaben?
06Beginn, Laufzeit und Optionenoffen
Welcher Zeitraum ist beschrieben und welche Optionen werden genannt?
07Fristart, Datum, Uhrzeit und Zeitzoneoffen
Welche Handlung gehört zu welchem Termin?
08Geforderte Unterlagen und Nachweiseoffen
Was wird konkret verlangt und wer prüft den vorhandenen Stand?
09Beschriebener Einreichungswegoffen
Über welchen Weg und mit welchen beschriebenen Vorgaben soll eingereicht werden?
10Eigene Kapazität und Angebotsbearbeitungoffen
Wer übernimmt Leistung, Vertretung, Kalkulation und Kontrolle? Welche Annahme ist noch offen?
11Preisblatt, Einheiten und Leistungsbezugoffen
Lässt sich jede Preisposition eindeutig einer Leistung und Einheit zuordnen?
12Offene Fragen und nächster Prüfschrittoffen
Welche Unklarheit wird wie geklärt, und wo dokumentieren wir die Antwort?
Eigene Prüfliste – Ihre Einträge
Verfahren / Los: ____________________________________ Bearbeitungsstand: __________________
| Prüfpunkt | Original / Fundstelle | Befund | Status | Zuständig | Nächster Schritt / interner Termin |
|---|---|---|---|---|---|
| Aktueller Unterlagenstand und Änderungen | — | — | offen | — | — |
| Verfahren und Loszuordnung | — | — | offen | — | — |
| Leistungsorte und Zugänge | — | — | offen | — | — |
| Flächen, Räume und Leistungen | — | — | offen | — | — |
| Häufigkeiten und Ausführungszeiten | — | — | offen | — | — |
| Beginn, Laufzeit und Optionen | — | — | offen | — | — |
| Fristart, Datum, Uhrzeit und Zeitzone | — | — | offen | — | — |
| Geforderte Unterlagen und Nachweise | — | — | offen | — | — |
| Beschriebener Einreichungsweg | — | — | offen | — | — |
| Eigene Kapazität und Angebotsbearbeitung | — | — | offen | — | — |
| Preisblatt, Einheiten und Leistungsbezug | — | — | offen | — | — |
| Offene Fragen und nächster Prüfschritt | — | — | offen | — | — |
„Offen“ ist keine Bestätigung. Originalunterlagen und tatsächliche Verfahrensfristen zusätzlich prüfen.
6. Treffen Sie eine interne Entscheidung mit klaren nächsten Schritten
Am Ende der ersten Prüfung braucht nicht jede Detailfrage gelöst zu sein. Entscheidend ist, dass Sie wissen, was noch fehlt und wie es sich auf die weitere Bearbeitung auswirkt. Nutzen Sie dafür drei einfache Arbeitsentscheidungen:
Weiter kalkulieren
Die Grundlage ist für den nächsten Arbeitsschritt ausreichend klar. Verbleibende Annahmen und ihre Zuständigkeit sind dokumentiert.
Zuerst klären
Eine offene Angabe beeinflusst den Leistungsumfang, die Terminplanung oder Ihre Kalkulation. Legen Sie den nächsten Klärungsschritt fest.
Intern nicht weiterverfolgen
Der Auftrag passt nach Ihrer bisherigen betrieblichen Prüfung nicht zu Kapazität, Organisation oder wirtschaftlicher Planung. Halten Sie den konkreten Grund fest.
Diese Entscheidungen steuern Ihre Angebotsarbeit; sie sind keine Feststellung Ihrer vergaberechtlichen Eignung. Prüfen Sie vor der späteren Abgabe erneut den aktuellen Stand der Unterlagen und Ihre tatsächlich ausgefüllten Dateien.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Die Checkliste und das Beispiel wurden für diesen Beitrag erstellt. Die folgenden Primärquellen helfen bei der Einordnung; daraus folgt keine Prüfung oder Empfehlung dieses Beitrags durch die genannten Organisationen.
RAL GGGR: Vergabe von Reinigungsdienstleistungen ↗
Die RAL GGGR bietet ein Merkblatt zur qualitätsorientierten Vergabe für Auftraggeber und Auftragnehmer an. Der Beitrag hier übernimmt weder die Merkblatttexte noch eine RAL-Vorlage.
TED: offizielles Verzeichnis der Such- und Bekanntmachungsfelder ↗
Das Verzeichnis macht getrennte Datenfelder zu Verfahren, Losen, Leistungsorten, Fristen und Änderungen nachvollziehbar. Es ist eine technische Dokumentation und keine individuelle Vergabeberatung.
Von der Prüfung zur Kalkulation
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